Lernvideo Da Weiberer – Jodler aus Oberösterreich

Da Weiberer ist ein dreistimmiger „Gegeneinand“ aus Oberösterreich im Dreivierteltakt. Lernvideo HIER
Im Oberösterreichischen Dialekt ist ein „Weiberer“ ein Frauenheld, ein Schürzenjäger.

Trotzdem hat der Name „Weiberer“ nichts mit Weiberheld oder Schürzenjäger zu tun. Ursprünglich wurde er als „Jodler für unterwegs“ um 1985 von Klaus Karl vorgesungen. Die Bezeichnung „Weiberer“ verweist auf den Ortsnamen Weibern – ein kleiner Ort mit rund 1.690 Einwohnern im Bezirk Grieskirchen, gelegen im Hausruckviertel in Oberösterreich. (Dank an Rosa Maria Thomaser für diese Info)

Ein Gegeneinand-Jodler macht nämlich genau das, was der Name ankündigt: Die Stimmen jodeln nicht mit, -oder nebeneinander, sondern dürfen sich ein bisscherl in die Quere kommen.

Beim mehrstimmigen Jodeln gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die Stimmen miteinander spielen:

Beim Miteinand-Jodler bewegen sich die Stimmen weitgehend gemeinsam und harmonisch. Das klingt rund, getragen und lässt sich gut durch weitere Stimmen ergänzen. Wie zum Beispiel beim „MEI LIEB“. Dazu gibt es ein Lernvideo  HIER

Beim Nacheinand-Jodler, auch Echojodler genannt, antworten sich die Stimmen. Eine beginnt, die andere folgt – wie beim HÄITI. Dazu gibt es ein Lernvideo  HIER

Und dann gibt es eben den Gegeneinand-Jodler, wie den Weiberer. Die Stimmen gehen unterschiedliche Wege, haben unterschiedliche Texte, setzen an verschiedenen Stellen ein, werfen sich Töne und rhythmische Impulse zu und dürfen sich dabei auch necken, lustvoll umspielen und gern auch mal aneinander reiben.

Und genau diese Reibung macht den Reiz aus. Für einen Moment denkt man vielleicht: Ui, wo wollen die denn jetzt hin? – und plötzlich fügt sich alles wieder zusammen.

So entsteht dieses kraftvolle, lebendige Wechselspiel aus Spannung und Auflösung, Eigenständigkeit und Zusammenspiel.

Was mich am Gegeneinand-Jodler besonders interessiert, ist aber noch etwas anderes:

Gerade weil jede Stimme etwas Eigenes singt, braucht es ein sehr genaues Hinhören. Ich muss bei meiner eigenen Melodie bleiben – und mich gleichzeitig für die andere Stimme öffnen. Für ihren Rhythmus, ihre Melodie, ihren Atem, ihren Puls.

Denn erst wenn ich die andere Stimme wirklich höre, kann ich den gemeinsamen Beat, Puls, Groove und Klang wahrnehmen.

Für mich ist das eine wunderbare Übung in Kommunikation:

Bei mir bleiben und mich gleichzeitig für mein Gegenüber öffnen.

Ich nehme meine eigene Stimme wahr, meine Gedanken, meinen Impuls – und gleichzeitig höre ich die andere Stimme mit ihrer ganz eigenen Melodie.

Wir müssen dabei nicht dasselbe singen. Und wir müssen auch im echten Leben nicht immer einer Meinung sein.

Jede darf ihre eigene Stimme behalten.

Aber wenn wir uns für die Stimme des anderen öffnen, kann etwas Drittes entstehen: Resonanz. Begegnung. Beziehung.

Das ist für mich die Einladung beim Jodeln eines Gegeneinand-Jodlers:
Nicht Gleichklang um jeden Preis – sondern Zusammenklang trotz Verschiedenheit.

Viel Freude! 

 

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