Im aktuellen Lernvideo “Traditioneller Sámi Joik” auf meinem Youtube stimmekanal stelle ich einen Joik vor, den ich vor vielen Jahren bei Ingrid Hammer gelernt habe. Quelle ist Ol Johan Gaup, ein samischer Joiker, Musiker und Schauspieler aus Nordnorwegen.
Was ist ein Joik?
Ein JOIK ist ein uralter, archaischer Kraftgesang des indigenen Volks der Samen Nordskandinaviens. Joiken ist eine der ältesten noch lebendigen Musiktraditionen Europas.
Die Samen sind die indigene Bevölkerung des hohen Nordens Europas. Ihr traditionelles Siedlungsgebiet, Sápmi, erstreckt sich über den Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands bis auf die russische Kola-Halbinsel. Ihre Kultur ist eng verbunden mit Landschaft, Natur, Rentierhaltung, Gemeinschaft und einer reichen mündlichen Überlieferung.
Eine ihrer ältesten musikalischen Ausdrucksformen ist der Joik.
Ein Joik ist nicht einfach ein Lied über einen Menschen, ein Tier oder einen Ort. Traditionell heißt es vielmehr: Man joikt den Menschen, den Berg, den Fluss, das Tier selbst. Im Klang wird etwas von seinem Wesen, seiner Atmosphäre, seiner Erinnerung gegenwärtig.
Joik braucht keine Worte. Kurze Silben, wiederkehrende melodische Bewegungen, Rhythmus und Klangfarbe tragen den Ausdruck. Die Melodien können kreisen, sich wiederholen, manchmal fast zeitlos wirken – als hätten sie keinen eindeutigen Anfang und kein Ende.
Darin liegt auch eine Verwandtschaft zum Jodeln: Beide Traditionen wurzeln in einer unmittelbaren, körperlichen Form des Singens. Die Stimme wird nicht nur Trägerin von Sprache, sondern Ruf, Klang, Resonanz und Beziehung zur Welt.
Der Joik erinnert daran, dass Singen älter sein kann als das Lied – und Stimme mehr als Sprache.